Vor ein paar Wochen habe ich dir in La Keynote del Domingo #1 erzählt, dass in Spanien die Vorwahl 400 eingeführt wird, damit man sieht, wer anruft, bevor man abhebt. Dazu kam eine Warnung: Spam würde das nicht beenden, denn Betrüger würden sich wohl kaum mit einer 400 zu erkennen geben. Da lag ich nur halb richtig. Manche nutzen sie tatsächlich … um dich noch besser zu täuschen. Es gibt bereits die ersten Betrugsfälle mit der Vorwahl 400.

Hinweis für Leserinnen und Leser in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Die Vorwahl 400 gilt nur in Spanien. Bei uns gibt es kein solches System; hierzulande ist die Rufnummernanzeige bei Werbeanrufen Pflicht und unerlaubte Telefonwerbung kannst du in Deutschland der Bundesnetzagentur melden. Die Schutztipps unten gelten aber überall.
Was die Vorwahl 400 ist
Es ist eine Maßnahme des spanischen Ministeriums für digitale Transformation. Seit Mitte Oktober dürfen Unternehmen Werbeanrufe nur noch von neunstelligen Nummern mit der Vorwahl 400 tätigen. Die Idee ist einfach: Siehst du eine 400 auf dem Display, weißt du, dass dir jemand etwas verkaufen will, und entscheidest selbst, ob du rangehst. Das solltest du wissen:
- Es sind reine Ausgangsnummern: Du kannst nicht zurückrufen.
- Die 800er- und 900er-Nummern bleiben für den Kundenservice bestehender Verträge.
- Unternehmen haben bis zum 28. Dezember Zeit, ihren Kundenservice vollständig umzustellen.
- Kleine und mittlere Unternehmen sind ausgenommen, außer sie bieten Grundversorgung wie Strom, Wasser oder Telefonie an.
Der Betrug mit der Vorwahl 400 in Puente Genil
Wie Xataka berichtet, erhielt ein Einwohner von Puente Genil (Córdoba) einen Anruf von einer Nummer, die mit 400 begann. Am anderen Ende war eine Person, die angeblich für den Energieversorger Iberdrola arbeitete. Mit der „offiziellen“ Nummer auf dem Display und einem glaubwürdigen Gespräch brachte sie ihn dazu, seine Bankdaten herauszugeben.
Das nennt man Vishing: Telefonbetrug, bei dem sich der Täter als bekanntes Unternehmen ausgibt. Neu ist der Trick: Man nutzt aus, dass die Vorwahl 400 neu ist und nach etwas Reguliertem klingt, damit du unvorsichtig wirst. Es ist nicht der erste Fall in der Gegend: Im September meldete eine andere Anwohnerin einen Anruf angeblicher Mitarbeiter ihrer Bank, die ihren Kontostand kannten und sie baten, eine Taste zu drücken. Die Bank bestätigte, dass sie solche Anrufe nie tätigt.
Warum die 400 keine Garantie ist
Die Vorwahl 400 sagt dir, dass der Anruf werblich ist, nicht, dass er seriös ist. Und es gibt weitere Probleme:
- Die angezeigte Nummer lässt sich fälschen. Solange es keine vollständige Authentifizierung von Anrufen gibt, kann jeder so tun, als riefe er von irgendwoher an.
- Die 400er-Nummern werden an Netzbetreiber vergeben, nicht direkt an Unternehmen. Eine 400 verrät dir also nicht, wer dahintersteckt.
- Die Sperren der Netzbetreiber basieren auf Verkehrsmustern (zum Beispiel sehr vielen Anrufen in kurzer Zeit) und hinken deshalb immer einen Schritt hinterher.
So schützt du dich vor Betrug mit der Vorwahl 400
Die Lokalpolizei von Puente Genil fasst es in ein paar Tipps zusammen, die du mit deiner Familie teilen solltest, vor allem mit älteren Menschen:
- Sei misstrauisch bei unerwarteten Anrufen, die nach persönlichen Daten oder Bankdaten fragen – egal von welcher Nummer.
- Gib niemals Passwörter, Bestätigungscodes oder Kartendaten am Telefon heraus. Kein seriöses Unternehmen fragt so danach.
- Wenn du Zweifel hast, leg auf und ruf selbst an – unter einer Nummer, die du selbst auf der Website oder deiner Rechnung nachgeschaut hast.
- Hast du deine Bankdaten schon herausgegeben, ruf sofort deine Bank an, um mögliche Abbuchungen zu sperren. In Deutschland kannst du Karten auch rund um die Uhr über den Sperr-Notruf 116 116 sperren lassen.
- In Spanien kannst du mit der App SoyYo prüfen, welches Unternehmen dich anruft; dort machen bereits Firmen wie Repsol, Naturgy oder Sabadell mit.
- Unerwünschte Werbeanrufe kannst du in Spanien bei der Verbraucherstelle für Telekommunikation (OAUT) oder der CNMC melden – in Deutschland bei der Bundesnetzagentur.
Und wenn du ein iPhone hast: Es gibt einige Einstellungen, die solche Anrufe und Nachrichten ausbremsen. Heute Nachmittag veröffentliche ich eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, mit der du dein iPhone gegen Spam und Betrug absicherst. Verpass sie nicht.
Hat dich schon einmal jemand mit einer verdächtigen Nummer angerufen? War es wirklich, wer er vorgab zu sein? Erzähl es mir in den Kommentaren.




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